Sonntag, 20. August 2017

Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber

"Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber" 
von 
Michaela Karl




erschienen am 01.03.2011
btb Verlag
ISBN 9783442748723
465 Seiten


Inhalt:

I love a Martini – but two at the most. Three, I’m under the table; Four, I’m under the host. (Dorothy Parker) In den Roaring Twenties war sie die Königin von New York. Ihre scharfe Zunge und ihr beißender Witz wurden Legende. Sie stritt mit Ernest Hemingway, schlief mit F. Scott Fitzgerald und soff mit Truman Capote. Dorothy Parker schrieb für "Vogue“, „Vanity Fair“ und den „New Yorker“ und gehörte zur legendären Tafelrunde des Hotels Algonquin, wo sich die kulturelle Szene der Stadt traf. Ihre sarkastischen Verse und pointierten Kurzgeschichten erzählen von zerplatzten Träumen und dem Warten auf das Klingeln des Telefons. Sie machte als Drehbuchautorin in Hollywood Karriere und landete wegen ihres Engagements gegen Rassismus und Faschismus auf der Schwarzen Liste von Senator McCarthy. Michaela Karl legt nun die erste deutschsprachige Biografie vor. Sie porträtiert das unkonventionelle Leben der Dorothy Parker, und entdeckt hinter der zynischen Fassade eine sensible Frau auf der Suche nach dem großen Glück.  


Meine Meinung:

 Was soll ich sagen? Selten bin ich einer mir so unsymphatischen Frau so lange gefolgt. Aber daran ist eindeutig die Autorin Michaela Karl Schuld. Sie hat eine sehr gut zu lesende Biografie geschrieben, die man einfach nur sehr schwer aus der Hand legen konnte. Na gut, das Leben und Schaffen, dieser bissige und teilweise zynische Humor von Dorothy Parker haben auch einen großen Anteil am Leseerfolg. Ich kannte Dorothy Parker nur aus einem Zeitungsartikel und bin daraufhin auf dieses Buch gestoßen. Ich war überrascht, welchen Bekanntheitsgrad sie hatte und welchen Einfluss auf die großen Schriftsteller sie besaß. Ihr Leben ist so vielseitig und bunt, so spektakulär und laut, so traurig und einsam und so versoffen, dass man kaum glauben kann, dass dies alles ein Körper und eine Seele aushalten. Aber Dorothy Parker nimmt es mit viel Alkohol und Zynismus und jeder Menge Dreistigkeit oder vielleicht ist es auch Größenwahn. Ich war immer wieder erstaunt, wie sie Gönner gefunden hat, die ihr Leben finanzieren, obwohl sie ihren Teil der Abmachung kaum einhielt und es auch nicht für nötig hielt Schulden zurückzuzahlen. Sie war bekannt dafür, dass man mehr geben musste als man zurückbekommt und doch reichten die Geschichten und Drehbücher aus, damit sie ihre Stellung halten konnte.

Es ist eine faszinierende und sehr bissige Geschichte, die dem Leser die Tür zur Hollywoodwelt ein wenig öffnet. Das Beste bleibt jedoch der Humor.



4 von 5 Sternen

Donnerstag, 17. August 2017

Kuchen backen in Kigali

"Kuchen backen in Kigali" 
von 
Gaile Parkin





erschienne am 01.01.2009
  Ullstein Verlag
ISBN: 9783548282824
 352 Seiten


Inhalt:

 ... die Zutaten sind wichtig, aber ohne Hoffnung und Liebe braucht man den Ofen gar nicht erst anzustellen. Das denkt Angel, professionelle Kuchenbäckerin in Kigali, Ruanda. Gaile Parkin erzählt mit sanften Worten und wunderbarem Humor vom manchmal harten Leben in Afrika. Das Land ist von der Grausamkeit der Geschichte gezeichnet. Jeder in Kigali hat einen geliebten Menschen verloren oder ist selbst Opfer geworden. Dennoch gibt es den Willen zur Versöhnung. Angel erlebt ihn jeden Tag. Zu ihr geht jeder, der für ein Fest, eine Taufe, eine Hochzeit, eine Heimkehr oder sogar eine Scheidung einen besonderen Kuchen braucht. Bei einer Tasse Tee bespricht sie die Details von Farbe und Dekor. Man kommt ins Erzählen, und Angel hört die traurigen Geschichten. Über die Gespräche und das Kuchenbacken werden alte Wunden geheilt. Angel erkennt, wie viel Trauer in jedem Einzelnen steckt und wie viel es dennoch zu feiern gibt. Gaile Parkins berührender Roman über die tiefe Bedeutung von Versöhnung ist ein Lesevergnügen voller Wärme und Charme.


 Meine Meinung:


Angel hat ein großes Herz, sie ist klug und charmant, hat für jeden ein offenes Ohr und bäckt die besten Kuchen von Kigali. Sie müssen farbenfroh und prächtig sein. Sie müssen zum Beschenkten passen und einzigartige Kuchen können nicht billig sein. Angel ist Großmutter von fünf Enkeln und eine professionelle Person. Sie erfährt aufgrund ihres Backtalents viele Geschichten von den Bewohnern aus der Wohnanlage und von deren Freunden und Bekannten. Nichts bleibt verborgen. 

Und so erfährt man in vielen kleinen Kapiteln die Geschichten der Kuchenbesteller. Es sind traurige und schockierende Geschichten, da sie von Verfolgung und Morden oder von Vertreibung handeln. Es sind Geschichten, die von Hoffnung und dem Neuanfang erzählen. Gaile Parkin verpackt wichtige und aktuelle Themen wie z.B. Aids in kurze Geschichten, die nachdenklich stimmen, jedoch gibt es immer wieder ironische Einschübe, die die Geschichten nicht zu traurig und dunkel werden lassen. Die vielen kleinen Geschichten laufen am Ende des Buches zu einem großen Finale zusammen. 

Das Buch lässt sich, dank eines guten Schreibstils, gut lesen und man kann die vielen Farben, die Angel verwendet förmlich sehen und den Kuchen schmecken. Jedoch wiederholt sich auch einiges, was ich eher störend fand, aber trotzdem ist es eine interessante Geschichte aus Afrika bzw. Ruanda, die einem das Land, die Leute und deren Geschichte etwas näher bringt.





3 von 5 Sternen


Freitag, 11. August 2017

Die Geschichte der Baltimores

"Die Geschichte der Baltimores" 
von
 Joel Dickers





erschienen am 02.05.2016
  OSTERWOLDaudio
ISBN: 9783869523507 
2 mp3-CDs = 854 Minuten 
Ungekürzte Lesung
Sprecher: Torben Kessler


 Inhalt:

 Bis zum Tag der Katastrophe gab es zwei Goldman-Familien. Die Baltimore-Goldmans und die Montclair-Goldmans. Die "Montclairs" sind eine typische Mittelstandsfamilie, kleines Haus im unschicken New Jersey, staatliche Schule für Marcus, den einzigen Sohn. Ganz anders die Goldmans aus Baltimore, man ist wohlhabend und erfolgreich. Als Kind ist Marcus hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Eifersucht auf ihr perfektes Leben. Doch seine Cousins Hillel und Woody sind seine besten Freunde, zu dritt schwärmen sie für das Nachbarsmädchen Alexandra – bis ihre heile Welt zerbricht. Acht Jahre danach beschließt Marcus, inzwischen berühmter Schriftsteller, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben. Aber die "Wahrheit" über seine Familie scheint viele Gesichter zu haben. 


 Meine Meinung:

Ich mag diese Geschichte sehr. Sie hat, aus meiner Sicht, alles, was eine große Familiengeschichte braucht. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und sehr detailliert beschrieben. Die Geschichte nimmt nur langsam an Fahrt auf und häufig schweift der Autor ab. Jedoch sind diese kleinen Nebenhandlungen wichtig, denn sie werden die Geschichte am Ende komplett und verständlich machen. 

Die verschiedenen Perspektiven und die verschiedenen Zeiten machen die Geschichte nicht nur interessant und spannend, sondern fordern auch den Zuhörer heraus den Faden nicht zu verlieren. Anfangs wirkt die Geschichte vielleicht etwas banal und oberflächlich, aber je länger man zuhört, umso mehr merkt man, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Irgendetwas läuft aus dem Ruder, irgendetwas passt nicht zusammen. Dieses ungute Gefühl wird nach und nach bestätigt und der Autor lässt immer mehr Puzzelteile zusammenkommen und überrascht mit vielen Wendungen.

Torben Kessler hat mit seiner Stimme die Geschichte so gut erzählt, dass man sich darauf freute ihn zu hören.




5 von 5 Sternen

Mittwoch, 9. August 2017

Der Judaskuss

"Der Judaskuss" 
von
 Anna Grue





erschienen am 20.01.2014
Berlin Verlag Taschenbuch
ISBN: 9783833309731
 480 Seiten



Inhalt:

In einem Vorort der dänischen Kleinstadt Christianssund wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden, der mit einem Spaten erschlagen wurde. Kommissar Flemming Torp steht vor einem Rätsel: Es gibt keine Spuren, keinen Verdächtigen und kein Motiv. Flemmings Freund Dan Sommerdahl, der sich kürzlich als Werbetexter selbstständig gemacht hat, bekommt unterdessen eine E-Mail von seiner Tochter Laura aus dem Internat: Lauras Lieblingslehrerin wurde von einem Heiratsschwindler betrogen. Dan lässt sich überreden, den Hochstapler zu suchen. Während Torp mit seinen Ermittlungen um die Leiche am Strand auf der Stelle tritt, kommt Dan dem Heiratsschwindler auf die Schliche. Nicht ohne Neid muss Torp anerkennen, wie sich sein alter Jugendfreund Sommerdahl zu einem veritablen Ermittler mausert. Als Torp schließlich zähneknirschend zustimmt, mit Sommerdahl zusammenzuarbeiten, nehmen beide Fälle plötzlich eine dramatische Wendung.


Meine Meinung:

Dan Sommerdahl ist der glatzköpfige Detektiv, der eigentlich keiner ist. Symphatisch ist er nur phasenweise, dafür ist er hartnäckig und stur. Seine Ermittlungen sind nicht immer einwandfrei und mit der Polizei abgesprochen, dafür aber erfolgreich. Und so lässt er auch diesmal die eigentlichen Ermittler alt aussehen. 

Anna Grue hat einen sehr guten Schreibstil und sie beschreibt die Personen und Situationen so real und klar, dass man sie sich gut vorstellen kann. Sie hat keinen reißerischen Ton, sondern erzählt die Geschichte fast schon ruhig und gelassen.

Die Geschichten sind gut konstruiert und spannend bis zum Schluss. Es ist kein sehr düsterer Krimi, aber er greift ein Thema auf, welches den Leser nicht kalt lassen kann. Es war teilweise erschreckend zu lesen, wie gläsern der Mensch sein kann. Es gab knifflige Situationen und überraschende Querverbindungen, die manchmal für Erstaunen und Verwirrung sorgten, aber am Ende fanden die verschiedenen Handlungsstränge zusammen und zeigten ein trauriges Bild einer Familie.





5 von 5 Sternen

Donnerstag, 3. August 2017

Der Susan Effekt

"Der Susan Effekt" 
von 
Peter Høeg



erschienen am 27.07.2015 
Der Hörverlag
ISBN: 9783844519471
9 CD = 11 Stunden 47 Minuten


Inhalt:


Sie waren eine dänische Vorzeigefamilie, doch jetzt werden sie von der Polizei gesucht: Susan, die Physikerin, Laban, der Komponist, und die beiden 16-jährigen Zwillinge Harald und Thit. Ein hochrangiger Justizbeamter schlägt Susan einen Deal vor. Er wird ihre Familie retten, wenn sie ihm das geheime Protokoll eines wissenschaftlichen Gremiums beschafft, das die Gefahren der Zukunft erforscht. Doch plötzlich kommt ein Gremiummitglied nach dem anderen auf grausame Weise um. Ich-Erzählerin Susan, gesprochen von Sandra Schwittau, hantiert gern mit dem Brecheisen, sie setzt Männer mit einem Griff unter die Gürtellinie schachmatt, bäckt nachts um drei Croissants für ihre Kinder und hat eine außergewöhnliche Gabe: Jeder, der mit ihr spricht, gibt sein Innerstes preis.


Meine Meinung: 


Die Geschichte von Susan und ihrer Familie hatte es in sich. Es war spannend und aufregend, aber auch langatmig und teilweise anstrengend. 
Man muss sich für dieses Hörbuch Zeit nehmen. Es ist kein Hörbuch, was man nebenher hört, denn dafür sind die Themen zu komplex und sehr physikalisch. Ich konnte manchmal Susans Ausführungen nicht so gut folgen und musste manche Stelle zweimal hören. Es lag sicherlich auch daran, dass meine Physikkenntnisse eher mager sind und auch die Themen, die der Autor gewählt hat, manchmal recht komplex waren. Susan ist unaufgeregt und analytisch. Sie hat den Hang alles aus der Sicht der Physik zu sehen - auch die Liebe. Mir hat Susan mit ihrer pragmatischen Art gut gefallen. Manchmal staunte man nur, was die hochbegabte Familie konnte, sagte und welche Schlussfolgerungen sie aus den einzelnen Puzzelteilchen zogen. Sandra Schwittau hat die Geschichte richtig gut erzählt.  Ihre Stimme war so passend, ruhig und tief, dass man ihr gut und gerne fast 12 Stunden folgte. 

Ich fand die Geschichte recht speziell und nicht so einfach. Leider konnte ich manchmal den Charakteren und der Handlung nicht so gut folgen. Teilweise waren die Handlungen mir zu verworren und analytisch, auch teilweise zu abschweifend. 

Trotzdem würde ich jedem, der Lust auf ein anspruchsvolles und spezielles Hörbuch hat, diese Geschichte empfehlen. 

3 von 5 Sternen

Montag, 31. Juli 2017

Die Tore der Finsternis

"Die Tore der Finsternis" 
von 
Ian Rankin






 
erschienen am  04.09.2003
Goldmann Verlag
ISBN: 9783442458332
  544 Seiten 


Inhalt:

Schwierige Zeiten für John Rebus: er wird vom Dienst suspendiert und zu einem Polizeikurs verdonnert, in dem er Teamgeist und korrektes Verhalten lernen soll. Zu diesem Zweck sollen die Kurzsteilnehmer einen ungelösten Fall untersuchen. Bloß weiß Rebus leider nur zu gut, wer Eric Lomax umgebracht hat, denn er war in den Mord selbst auf tragische Weise verstrickt. Während er noch damit beschäftigt ist, die Untersuchung zu verschleppen, wird in Edinburgh ein Kunsthändler vor seiner Haustür ermordet.


Meine Meinung:

Es ist vielleicht nicht unbedingt geschickt, wenn man mit dem 13. Fall anfängt, aber da das Buch schon seit 6 Jahren auf meinem SUB liegt, sollte es nun endlich einmal gelesen werden.

Es/Er war gut. Ein ganz und gar grundsolider Krimi, der bei den doch sehr trinkfreudigen und trinkfesten Schotten spielt. Natürlich hat auch John Rebus ein kleines Alkohol- und Frauenproblem. Aber hier ist er ja nicht die Ausnahme. Es gibt so viele skandinavische Ermittler, denen es ebenso geht, dass man schon ahnt, was kommen wird. 
Der Fall war spannend und interessant aufgebaut. Die vielen kleinen Wendungen haben immer wieder für Überraschungen gesorgt. Jedoch fand ich die Geschichte etwas zu lang. Sie hätte etwas gestrafft werden können, denn Ian Rankin verliert sich ein bißchen in den Nebenhandlungen. Der Schreibstil lässt sich gut lesen. Es gibt (was sonst) wenig Sonne, dafür jede Menge schlechte Laune und Schlägereien und auch ein paar Tote dürfen nicht fehlen. Der Krimi ist fast schon schnörkellos und schlicht erzählt, was mir gut gefallen hat. Auch die Charaktere fand ich interessant, da sie so unterschiedlich und nicht ohne Ironie waren. Dies wird nicht mein letzter Fall von John Rebus gewesen sein.  





3 von 5 Sternen
 

Freitag, 28. Juli 2017

Die Tänzerin von Paris



"Die Tänzerin von Paris" 
von 
Annabel Abbs







erschienen am 14.07.2017
Aufbau Digital Verlag
ISBN 978 841 213 143
512 Seiten
eBook 

 

Inhalt:

Tanz war meine Antwort – auf alles, was das Leben mir abverlangte. James Joyce war ihr Vater. Samuel Beckett war ihr Geliebter. Dies ist ihre Geschichte. Paris, 1928: Die junge, talentierte Lucia Joyce steht vor ihrem Durchbruch als Tänzerin. Doch ihr Vater – ein Wegbereiter der literarischen Moderne – beobachtet das Streben seiner Tochter nach einem selbstbestimmten Leben mit Argwohn. Als Lucia dem Schriftsteller Samuel Beckett begegnet, verliebt sie sich leidenschaftlich, wird jedoch schon bald bitter enttäuscht. Als dann ein lange verborgenes Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommt, droht Lucias Hoffnung, sich aus dem Schatten des übermächtigen Vaters zu befreien, dramatisch zu scheitern. Nach der wahren Geschichte von Lucia Joyce.


Meine Meinung:

 Das Buch hat mich leider ordentlich enttäuscht. Ich hatte eine interesssante und spannende Geschichte erwartet, aber gelesen habe ich nur eine langatmige und wenig interessante Familiengeschichte. Die Charaktere waren mir nicht sympathisch und wirkten auch nicht ausgereift und recht hölzern. Die Handlung ging nur sehr schleppend voran. Man trat leider auf der Stelle. Ich musste mich zum Lesen motivieren, was normalerweise nicht notwendig ist.  Nach der Hälfte des Bucheshabe ich aufgehört, da mich das Ende der Geschichte immer weniger interessierte und ich mich lieber anderen Büchern widmen wollte.

1 von 5 Sternen