Sonntag, 4. September 2011

Und in mir der unbesiegbare Sommer

"Und in mir der unbesiegbare Sommer" von Ruta Sepetys


ISBN 9783551582546
304 Seiten
erschienen am 01.09.2011
bei Carlsen







Inhalt:

Litauen, Sommer 1941: Die fünfzehnjährige Lina trägt noch ihr Nachthemd, als man sie, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder Jonas abholt. Sie weiß noch nicht, dass die sowjetische Geheimpolizei auch ihren Vater an der Universität verhaftet hat. Und auch nicht, dass sie - wie zehntausende andere Balten - nach Sibieren deportiert wird. Von einem Tag auf den anderen ist Lina konfrontiert mit unvorstellbarem menschlichem Leid, mit Hunger, Krankheiten und furchtbarer Gewalt. Doch Lina fängt an zu zeichnen, in den Staub, auf jedes kleinste Stück Papier, das sie finden kann. Und sie verliebt sich in Andrius. Lina kämpft um ihr Leben und um das ihrer Familie. Doch wird sie stark genug sein?

Meine Rezension:

Beklemmend, traurig, bedrückend und einfach nur erschütternd ist dieses Buch. Eigentlich ein Jugendbuch, aber mit so einer Kraft, dass selbst ich als Erwachsener eine Nacht brauchte, um das Gelesene zu verarbeiten. Bisher habe ich nur wenig über die Deportation von Litauern in die Arbeitslager nahe dem Polarkreis gelesen. Die Autorin beschreibt so detailliert die Geschehnisse, dass man sich schnell ein Bild aufbauen kann, welches aber den Leser dann nicht mehr loslässt.

Lina, ihr Bruder und ihre Mutter werden eines Nachts abgeholt und mit vielen anderen (meist Intellektuelle und deren Familien, Stalingegener usw.) in einen Viehwaggon gesperrt. Sie wissen nicht wohin es geht, sie wissen nicht, warum sie abgeholt wurden und sie haben alles verloren. Irgendwann hält der Zug und sie kommen in das erste Lager im Altai. Dreck, Krankheit, Tote, Hass, Hunger, Schläge und Demütigungen verfolgen sie nun. Mehrere Monate vergehen bis sie wieder in Gruppen in Waggons zusammengepfercht werden. Die Fahrt geht weiter bis zur Überquerung des Polarkreises. In Trofimowsk endet die Fahrt und für viele das Leben. Eisige Kälte und Hunger empfängt sie. Sie müssen nun die Polarnächte in den selbstgebauten Jurten überstehen und trotz aller Mühen werden die Leichenberge neben den Jurten größer. Erst Jahre später, 1954, werden sie wieder "nach Hause" geholt - doch ihr zu Hause ist auch in Litauen (1954: Sowejtunion) nicht mehr da.

Die Autorin schafft ein beklemmendes Buch über die schlimme Zeit des Stalin-Regime. Die Deportation,Tötung und Vertuschung von unzähligen Litauern, Esten, Letten und Finnen ist den meisten weniger bekannt. Ruta Sepetys nimmt für ihre Geschichte das Mädchen Lina an die Hand und zeigt, durch kurze Sequenzen wie schön das Leben "vorher" war und was das Kind (später junge Frau) nun ertragen muss. Ein empfehlenswertes Buch, welches zum Nachdenken anregt.

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