Sonntag, 4. November 2012

Es muss nicht immer Kaviar sein

"Es muss nicht immer Kaviar sein" von Johannes Mario Simmel




ISBN B0000BNYSB
635 Seiten
erschienen am 01.01.1962 
bei Europäischer Buchklub (mein Buch: Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes GmbH & Co.)



Inhalt:

Thomas Lieven ist alles, was sich eine Frau wünschen kann: gutaussehend, im besten Alter, charmant und ein begnadeter Koch. Aber der Mann ist noch viel mehr: Geheimagent wider Willen. Seine Abenteuer führen ihn quer durch das Europa des kalten Krieges, durch eine Zeit voller Hass und Fanatismus, Lügen und Verrat. Trotzdem geht er, dessen einzige Schwächen die Frauen und das Kochen sind, unbeirrt und unbesiegt durch jede Gefahr, denn nicht umsonst trägt er eine philosophische Erkenntnis im Herzen: Es muss nicht immer Kaviar sein!




Meine Rezension:

Ich habe dieses ältere Exemplar in einer Bücherkiste gefunden und mitgenommen. Nun lag es einige Zeit auf meinem SUB und dank des Themenmonats wurde es endlich gelesen. Ich hatte bisher den Namen "Simmel" mit negativer und abwertender Kritik seiner Bücher in Verbindung gebracht und wurde nun eines besseren belehrt. 

Gut, es ist nach wie vor keine "hochwertige" Literatur, aber was ist das schon? Ab wann ist Literatur wertvoll oder hochwertig? Ich weiß es nicht und genau deshalb hat Simmel seine Chance bei mir bekommen. Und er hat sie genutzt. Dieses Buch amüsierte mich.  

Man fühlt sich zurück gesetzt in die 50er/60er Jahre. Die Art, wie Simmel schreibt, ist leicht und locker und spricht an. Ja, er spricht auch den Leser direkt an. Er mag seine Figuren und baut sie liebevoll auf. Man mag den Thomas Lieven von Anfang an, denn er ist vornehm, ein klein wenig versnobt, hat gute Manieren, weiß zu kochen und hat eine Schwäche für Frauen. Simmel hat einen feinen ironischen Humor. 
"Wir Deutschen, liebe Kitty, können ein Wirtschaftswunder machen, aber keinen Salat" sagte Thomas Lieven...Über seinem Smoking - nachtblau, mit schmalen Revers- trug Thomas Lieven eine Küchenschürze. In der Hand hielt er eine Serviette. In der Serviette befanden sich die zarten Blätter von zwei bildschönen Salatköpfen." (S.5) 

Bereits hier hatte ich ein Grinsen im Gesicht und ich wußte mit diesem Buch kann man sich amüsieren. Simmel beschreibt ganz genau, wie es etwas aussieht, wie die Rezepte, die sich im Buch befinden (siehe Bild) gekocht werden und was die Figuren tragen. Manches erscheint altmodisch und veraltet, aber zu der damaligen Zeit war es schick. 

Die Abenteuer von Thomas Lieven sind herrlich skurril und selten realistisch, aber eben sehr unterhaltsam. Manchmal hatte es einen Hauch von James Bond. Manche Szenen baute mir Simmel zu stark aus, so dass es etwas langatmig wurde. Auch hätten die letzten Abenteuer etwas gekürzt werden können. Insgesamt war das Buch unterhaltsam und schön skurril. Wäre es in der heutigen Zeit geschrieben worden, dann wäre das Blut in Strömen geflossen, die Sprache um einiges brutaler (hier wird vornehm geflucht) und wahrscheinlich wesentlich weniger amüsant. 

"Was hast du gesagt?" keuchte sie, als sie die Sprache wiedergefunden hatte. "Was soll ich tun? Dich anzeigen? Wo? Bei wem?" 
"Bei der Polizei, mein Schatz?"
"Aber warum denn, um Himmels willen?"
"Weil ich dich bestohlen habe, Liebling", antwortete Thomas Lieven. "Wo ist denn bloß die Knoblauchwurst?" (S. 163)

1 Kommentar:

  1. Ich liebe dieses Buch! Es ist so spannend und wie er sich immer wieder aus allen möglichen Situationen rauslaviert ist sooooo toll.

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