Sonntag, 6. Oktober 2013

Todesengel

"Todesengel" 
von 
Andreas Eschbach


erschienen am 20.09.2013
Bastei Lübbe Verlag
ISBN 9783785724811
544 Seiten

 
 
Inhalt:

Ein strahlend weißer Racheengel geht um in der Stadt, heißt es, der überall dort auftaucht, wo Unschuldige in Gefahr sind, und diejenigen, die ihnen Gewalt antun, brutal bestraft: Ist das wirklich nur die Schutzbehauptung eines alten Mannes, der Selbstjustiz geübt hat?
Ein Journalist deckt auf: Es gibt diese Gestalt tatsächlich – er kann es beweisen.
Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Meine Meinung:

Ich habe dieses Manuskript (siehe Bild) zum Lesen bekommen und muss gestehen, dass ich Andreas Eschbach vorher nicht kannte. Ich hoffte, dass es keine allzu "abgefahrene" Geschichte wird, wenn ein weißer Racheengel mitspielt. 
Und nun nach dem Lesen des Buches kann ich nur sagen: "Lesen!".

Das Buch ist spannend und beängstigend, traurig und schockierend, nachdenklich und brutal. Manchmal an der Grenze, denn immer wieder stellen sich die Fragen: 
"Darf Selbstjustiz sein?"
"Wie sehr darf man sich wehren, um nicht selbst zum Täter zu werden?" 
"Haben Opfer weniger Rechte als die Täter?"

Andreas Eschbach lässt hier einige Beispiele für sich sprechen und immer wieder meint man die Geschichten zu kennen und schon einmal in den Medien gelesen zu haben (nur mit anderen Namen und Städten). Man hat sie jedoch wieder vergessen, aber haben die Opfer jemals eine Chance die Gewalttaten zu vergessen? 
Eschbach lässt hier Opfer und Täter sprechen und strickt daraus einen Thriller, der manchmal ein beängstigend schnelles Tempo aufnimmt. Er rast mit dem Leser durch die Nacht und tötet und rächt und wird zum Täter. Die Opfer sprechen eine traurige und erschütternde Sprache und die Figuren lassen den Leser mitleiden. 
Welche Person kann es jahrelang aushalten allein zu leben? Keinen Kontakt zur Außenwelt, keine Freunde, keine Familie, kein Spaß am Leben - ist das noch ein Leben?

Mich hat dieses Buch gefesselt und abgestoßen zu gleich. Der Journalist Ingo hat mich als einzige Figur nicht begeistert. Er hatte keinen starken Charakter, war eher wie eine Fahne im Wind und machte auf mich keinen guten Eindruck. Sicherlich war dies von Eschbach gewollt, um einen Kontrast zu schaffen, aber ich fand die Figur belastend und nervig. Immer wieder wollte man sagen: "Nun mach doch mal.", aber nein er zog sich zurück. 

Das Buch wirft viele Fragen auf und bietet aber keine Lösungen dafür (was sicherlich auch nicht gewollt ist) an. Sind die Opfer wirklich weniger Wert als die Täter? Nach diesem Buch bekommt man leider den Eindruck, dass sich die Medien und die Justiz mehr für die Täter interessieren und ihnen mehr Hilfe und Unterstützung anbieten als den Opfern. 
Lohnt sich noch Zivilcourage, wenn man dann verurteilt wird? 

Insgesamt hat mich das Buch mit einem beklemmenden und unsicheren Gefühl zurückgelassen.

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