Montag, 30. Dezember 2013

Glücklich ohne Geld!

"Glücklich ohne Geld" von Raphael Fellmer




erschienen am 07.11.2013
  REDLINE Verlag
ISBN 9783868815054
 220 Seiten

Inhalt:

Raphael Fellmer lebt komplett ohne Geld – er verdient nichts, er bezahlt nichts. Sein Essen holt er sich von diversen Biosupermärkten, wo er es vor dem Wurf in die Tonne rettet. Er lebt von dem, was in der Überflussgesellschaft übrig bleibt. Diese Entscheidung trifft Fellmer vor drei Jahren, auf einer Reise ohne Geld und per Anhalter nach Mexiko. Zurück in Deutschland steht seine Entscheidung fest: Genau so möchte er weiterleben. Er ernährt sich vegan von weggeworfenen Lebensmitteln, die noch genießbar sind, aber nicht mehr verkauft werden können. »Lebensmittel retten« nennt er das. Seine Klamotten bekommt er gebraucht von Freunden und Verwandten. Mit seiner Konsumverweigerung will der 30-jährige Berliner aufzeigen, wie viele Ressourcen heute unnötig nutzlos verschwendet werden. Er ist Mitgründer und Hauptverantwortlicher eines Netzwerkes, das es jedem ermöglicht, nicht benötigte Lebensmittel zu verschenken anstatt zu vernichten. In seinem Buch beschreibt er, wie ein Leben und Alltag ohne Geld aussehen kann, berichtet aus praktischer Erfahrung und schildert viele packende Begegnungen mit Menschen, die über diesen Lebensentwurf erst staunen – und dann ins Nachdenken kommen. Es ist auch die Geschichte eines Menschen, der anders und erfüllter und vor allem freier leben will.



Meine Meinung:

Ich hatte mir von dem Buch etwas anderes erwartet. Ideen, Tipps, Vorschläge und Möglichkeiten wie man mit Ressourcen noch besser umgehen kann, welche Möglichkeiten es gibt, um die Umwelt zu schonen bzw. zu unterstützen. Bekommen habe ich eine Selbstbeweihräucherung, ein Loblied auf eine Person und ein Beispiel wie man Trittbrettfahrer in der Gesellschaft wird. Ich habe mich bei so manchem Absatz geärgert und teilweise aufgeregt, wie man diese Einstellung als Bewusstsein und Verantwortung gegenüber Menschen und Umwelt verkaufen kann.

Auf Kosten der Gesellschaft sich durch das Leben zu wurschteln und dies auch von seiner Familie zu erwarten, ist aus meiner Sicht egoistisch und hat wenig mit Gemeinschaftssinn zu tun. Wie er sich darüber aufregen kann, dass eine Frauenärztin, die seine Frau kostenlos während der Schwangerschaft behandelt hat (da er ja keine Krankenversicherung haben möchte), ihm eine Auflistung erstellte, wie er die Kosten abarbeiten kann, ist mir schleierhaft. Sollte er nicht dankbar sein, dass sie dieses Risiko für Nieves (seine Frau) eingegangen ist? Andere Frauen gehen arbeiten, um sich diese Betreuung und Versorgung leisten zu können. Die Ärztin hat für ihre Praxisausstattung, ihr Personal sowie in ihre eigene Ausbildung sicherlich viel Geld investiert, welches sie (berechtigterweise) wieder zurück erwirtschaften möchte (und muss). Wo liegt also das Problem eine Gegenleistung zu erbringen? Weil es körperlich anstrengend ist? Er begründet es, dass es ihm noch zu sehr an Geld erinnert und er nur Dinge aus vollem Herzen tun möchte. Für mich ist dieses Verhalten nicht nachvollziehbar und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die Wirtschaft funktionieren soll, wenn alle Menschen diese Einstellung hätten. Ich kenne keinen Menschen (aus meinem Umfeld), der nicht gern mal etwas aus vollem Herzen und ohne Geld für Menschen, Tiere oder die Umwelt tut (siehe die vielen Ehrenämter), jedoch sehe ich keinen Grund auf Kosten anderer Menschen das eigene Leben zu gestalten. Es stellt sich mir die Frage, was passiert, wenn der Autor einmal alt oder ernsthaft krank wird? Erwartet er, dass dann auch wieder die Gemeinschaft für ihn einspringt? 


PS: Die Tipps und Einsparungen, die am Ende genannt werden, sind für mich (sofern umsetzbar) gelebter Alltag und damit nichts neues. 

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