Samstag, 7. Dezember 2013

Narwalzahn und Alte Meister

"Narwalzahn und Alte Meister" von Konrad O. Bernheimer




erschienen am 11.09.2013
Hoffmann und Campe Verlag
ISBN 9783455851007
380 Seiten

Inhalt:
 
Vom königlich-bayerischen Hoflieferanten zu einem der führenden internationalen Kunsthändler für Alte Meister: das wechselhafte Schicksal einer deutsch-jüdischen Kunsthändlerdynastie. Konrad Bernheimer spürt der Frage der jüdischen Identität nach und gewährt Einblicke in den spannenden Alltag eines weltweit tätigen Kunsthändlers. Mitte des 19. Jahrhunderts zieht Lehmann Bernheimer nach München und baut auf der "Dult" seinen Stand für feine Kleiderstoffe auf. Daraus erwächst in wenigen Jahrzehnten eines der bedeutendsten Geschäfte des internationalen Kunst- und Antiquitätenhandels. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird die Familie verfolgt und kann sich in letzter Minute ins Exil nach Venezuela retten. Otto Bernheimer reist bereits im Herbst 1945 zurück nach Deutschland, um die Firma wieder aufzubauen. Sein Enkel Konrad Bernheimer führt das Unternehmen seit 1977 in vierter Generation, erwarb im Jahr 2002 in der Londoner Bond Street das Haus Colnaghi, die älteste Kunsthandlung der Welt, und ist heute einer der international führenden Kunsthändler für Gemälde des sechzehnten bis achtzehnten Jahrhunderts. 

Stammbaum der Familie Bernheimer





Meine Meinung:

Als ich den Titel des Buches gelesen hatte, nahm ich an, dass es sich hier um eine "schwierige Kost" handeln wird. Es ist jedoch eine Biografie, die man gern mal liest, um einen kleinen Einblick in die Kunstszene, den Kunsthandel und vorallem in die Familie Bernheimer zu erhalten. Das Buch startet mit dem Stammbaum der Familie und schon dort fällt auf, wie groß und verzweigt sie ist. Konrad Bernheimer erzählt aus seinem Leben, von seinen Erinnerungen an den Papa Otto (eigentlich sein Großvater), an den leiblichen Vater (den er kaum erlebt hat) und von den schrecklichen Erlebnissen der Familie Bernheimer während der NS-Zeit. Leider beschreibt er genau diese Zeit recht kurz und widmet sich dafür mehr der heutigen Zeit. 




Ich hätte gern mehr über die Verhältnisse und Zustände im Kunsthandel und der Familie während der NS-Zeit erfahren, ebenso die Zeit in Venezuela kommt hier (aus meiner Sicht) zu kurz. Interessant fand ich dagegen, wie Auktionen vorbereitet und durchgeführt werden. Auch die Entwicklung der Familie Bernheimer vom Antiquariat zum Kunsthändler fand ich spannend. Wie jede Generation etwas Neues geschaffen hat und trotzdem einen Teil der Traditionen beibehielt. Die Lebens- bzw. Leidensumstände seines Vaters fand ich ebenso bewegend wie ich die Kraft und den Mut seiner Mutter bewunderte. Jedoch seine Einschübe zu bestimmten Personen oder Ereignissen waren manchmal etwas irritierend. Man erhielt dadurch den Eindruck, dass es etwas durcheinander ging. 

Der Schreibstil ist sehr gut, so dass man sich gut in die Geschichte einfühlen kann. Das Buch ist interessant, informativ und lesenswert. Die Bilder unterstrichen noch einmal das Geschriebene, denn nicht immer konnte ich mir die einzelnen Räumlichkeiten, Kunstgegenstände oder Personen so klar vorstellen. 
 Wer gern Geschichten aus dem Leben liest und dazu noch etwas an Kunst interessiert ist, kann hier eine gute Unterhaltung finden. 

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