Montag, 2. Mai 2016

Pici

"Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück" 
von 
Robert Scheer
 





erschienen am 11.03.2016
MARTA PRESS Verlag
ISBN:
9783944442402
  228 Seiten 
33 Abbildungen



Inhalt:


2014 reist der wahldeutsche Autor Robert Scheer nach Israel, um dort seine Großmutter Elisabeth Scheer, genannt Pici, über ihre Kindheit und Jugend zu befragen. Pici feiert in dem Jahr ihren 90. Geburtstag. Ihrem Enkel gegenüber gibt Pici Auskunft, wie sich in den 1940er Jahren durch den Nationalsozialismus die Lage für die jüdische Bevölkerung in Ungarn verschlechterte. Sie berichtet über ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare, im Konzentrationslager Auschwitz, im berüchtigten Außenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbrück und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 im mecklenburgischen Malchow befreit wurde. Pici`s Eltern, ihre Schwestern, ihr Bruder, ihr Schwager und ihre kleine Nichte wurden im Holocaust ermordet.

2015 stirbt Pici mit 91 Jahren. Ihre detailreichen Erinnerungen machen es den Leserinnen und Lesern leicht, sich das Leben in der damaligen Zeit vorzustellen, in der es Alltag und Familie gab, später dann Unmenschlichkeit und Vernichtung und nur vereinzelt auch Mitgefühl und Solidarität.

» … jetzt, zurückdenkend, gab es in meinem Leben reichlich erschütternde Momente, aber irgendwie fand ich immer einen kleinen Schutz, einen Strohhalm, womit ich aus der Grube heraussteigen konnte, um weiter zu schreiten und um zu hoffen.«


Meine Meinung:


Eine Familiengeschichte, die mich bewegt und nachdenklich zurückgelassen hat. 
Pici, die Goßmutter des Autoren, hat in ihrer Kindheit und Jugend Dinge gesehen, gehört und erlebt, die kaum nachzuvollziehen sind. Sie sind nur schwer zu fassen und doch sind sie geschehen. Gnadenlose Jagd auf Menschen durch Menschen. Warum?

Das Pici den Wahnsinn und die Grausamkeiten überlebt hat, zeigt, was für einen starken (Über-)lebenswille diese Frau hatte. Sie fängt noch einmal neu an und gibt den nachfolgenden Generationen Hoffnung auf ein schönes Leben mit. 

Der Autor lässt seine Großmutter erzählen und schreibt ihre Geschichte nieder. Es liest sich anders als ein Roman oder ein klasssiches Geschichtsbuch. Man ahnt die Verbindung zwischen Enkel und Großmutter und man kann phasenweise die Traurigkeit der Frau spüren. Die vielen Familienbilder und die grausemen Bilder aus den Ghettos unterstreichen das Erzählte. 

Ich konnte das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen. Ich brauchte Pausen dazwischen, um darüber nachzudenken und auch abzuschalten. Es sollte trotzdem gelesen werden, da es die Augen öffnet, Gelesenes und Gelerntes bestätigt und zum Nachdenken anregt.



4 von 5 Sternen


Vielen Dank an den Autoren Robert Scheer und den MARTA PRESS Verlag für das Rezensionsexemplar.

Im Nachgang:

 Erstens, der Titel ist aus meiner Sicht etwas unglücklich gewählt. Für mich war es eine Familiengeschichte, die von dem Leiden der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Die Ghettos sind nicht das zentrale Thema, sondern die Familie. Zweitens, die Qualität des Druckes müsste verbessert werden, da ich teilweise an den Rändern die Schrift/Buchstaben nur schwer lesen konnte. Die genannten Punkte ändern nichts an meiner Meinung zum Buch, jedoch sind dies Faktoren, die ich erwähnen möchte, da sie den Lesefluss oder die Erwartungen der Leser beeinflussen könnten.

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