Mittwoch, 12. Mai 2021

Mehr Nichts!

"Mehr Nichts!" 
von 
Prof. Dr. Tobias Esch
 
Foto: Buchstabenfestival
 

erschienen am 26.04.2021
ISBN: 9783442316106
432 Seiten
Goldmann Verlag


Inhalt:

Unsere Gesellschaft steckt in einer Krise des Überangebots und der permanenten Beschleunigung. Für Bestsellerautor, Neurowissenschaftler, Mediziner und Glücksforscher Tobias Esch ist es spätestens nach Corona an der Zeit, das sinnentleerte Streben nach Mehr infrage zu stellen – wir müssen von der sich unablässig steigernden Dichte, von haltlosem Konsum und damit einhergehender (Selbst-)Ausbeutung wegkommen, müssen zurückfinden zu der Reduktion auf das Minimale und einer so wohltuenden wie befreienden Leere. 
 
Mehr Nichts, weniger Mehr, nach diesem Leitmotiv sollten wir unsere Leben ausrichten! Im Mittelpunkt der von Esch aufgerufenen Debatte steht die Medizin und eine selbstgefällige Suche nach strahlender Gesundheit oder ewigem Leben – mit Corona als alarmierendem Stachel im Fleisch. Darüber hinaus wendet sich der Autor allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens zu: Glauben und Achtsamkeit, Politik, Klima, Ökologie und Wirtschaftsstrukturen. Hier attestiert er eine paradox erscheinende Gleichzeitigkeit von ungehemmtem Wachstum einerseits und einer parallel anwachsenden Zahl von Menschen andererseits, die nicht mehr willens sind, so wie bisher mitzumachen, sich das Drama einer aus den Fugen geratenen Welt noch länger anzuschauen.
 
Nur wenn wir uns in sämtlichen Belangen – und nicht nur mit Blick auf individuelle Selfcare-Maßnahmen – wieder auf die Essenz reduzieren, können wir den Weg zurück zu sinnhaftem Lebensglück und Nachhaltigkeit finden.
 
Meine Meinung:
 
Mehr Nichts! hat mich leider nicht so richtig begeistern können. Die Ausführungen des Autors waren zwar phasenweise recht interessant und so manche Herleitung war mir auch bisher nicht bekannt, so dass auch ein kleiner Lerneffekt entstand, aber die Vermittlung des Wissens und der Abhandlungen waren recht trocken.

Vielleicht lag es auch daran, dass sich alle Kapitel im Kern immer mit der Medizin und der Gesundheit beschäftigten. Für mich war es leider anstrengend bzw. etwas ermüdend. Zwischendurch hatte ich auch das Gefühl, dass ich manches schon einmal irgendwo gelesen habe. Nein, nicht wortwörtlich, sondern im Kontext und gerade bei dem Thema Corona und Medizin ist derzeit die Chance der Wiederholung recht hoch. Seit gut 1,5 Jahren kann man diesem Thema kaum ausweichen. Man weiß, dass es unter dem Motto "höher, schneller, weiter" nicht mehr lange gut gehen kann und wird. In keinem Bereich, weder in der Medizin noch in der Gesellschaft oder in der Wirtschaft, wird auf Dauer das Wachstum in dem Tempo durchzuhalten sein, ohne das der Mensch (sich) dabei verliert.
 
Wer dies alles einmal aus der Sicht der Medizin geballt und in einem Buch konzentriert nachlesen möchte, kann dies hier tun.
 
 
Foto: Buchstabenfestival

 
3 von 5 Sternen

Montag, 10. Mai 2021

Blütenschatten

"Blütenschatten" 
von 
Annalena McAfee
 
 
Foto: Buchstabenfestival

erschienen am 28.04.2021
ISBN: 9783257071139
336 Seiten
Diogenes



Inhalt:
 
 Eve – eine Künstlerin mit einem Faible für Blumen und junge Männer – bereitet in London eine große Museumsretrospektive vor. Aber ihr Leben ist in Aufruhr: Ihre Ehe steht vor dem Aus, ihre Tochter ist eine Enttäuschung, ihre größte Rivalin setzt ihr zu, und ihre Affäre mit dem weitaus jüngeren Luka ist so berauschend wie gefährlich. Doch Eve ist alles andere als ein zartes Pflänzchen. 
 
Meine Meinung:
 
 McAfee weiß den Lesenden zu überraschen und gut zu unterhalten. 
 
Die Londoner Kunstszene wird aus der Sicht einer Künstlerin, die stets und ständig auf ihr frühes Werk und ihre Affäre mit einem wesentlich älteren Mann reduziert wird, erzählt. Sie wandelt durch London und beobachtet die Menschen. Sie kommentiert das Gesehene und besucht Orte, die sie beeinflusst haben. Dabei erfährt man immer mehr aus ihrem Leben. 
 
Eve ist Künstlerin mit einem ausgesprochenen Faible für Blumen. Sie hat es geschafft, dass man sie schätzt und ausstellt und verkauft. Doch immer wieder ziehen andere an ihr vorbei, obwohl sie (aus ihrer Sicht) weniger leisten. Wanda ist dabei ihr ganz persönliches Hassobjekt. Aber auch an ihrer Familie hat sie einiges auszusetzen. Sie ist bissig, ironisch und hart im Urteil. Einzig ein junger Mann, nur halb so alt wie sie, kann sie besänftigen und einnehmen. Doch ist die Liebe echt?

Annalena McAfee hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich schnell mitgenommen hat. Der Charakter, der Eve war für mich nicht ganz greifabr und doch gab es Momente, wo ich ihren Schmerz, ihre Wut verstehen konnte. Was mir gut gefallen hat, waren die zwei Seiten der Eve. Es gab nicht nur weiß oder schwarz, sondern grau in vielen Facetten. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Der Humor war stellenweise schwarz, aber oft passend und dadurch auch unterhaltsam. Ich mochte die Geschichte und auch das Ende fand ich sehr gelungen.
 
 
Foto: Buchstabenfestival
 
4 von 5 Sternen

 

Mittwoch, 5. Mai 2021

Wind

"Wind - Meine Triumphe, meine Gedanken, mein Leben" 
von 
Santiago Lange
 
 
Foto: Buchstabenfestival
 

erschienen am 22.04.2021
ISBN:9783710500299
304 Seiten
PANTAURO Verlag

Inhalt:

Ein Ausnahme-Sportler und seine inspirierende Lebensgeschichte: Segel-Legende Santiago Lange. Alles begann mit der Liebe zu den Booten, bald folgten erste Wettkämpfe und schließlich jener unvergessliche Tag im August 2016, als er gemeinsam mit Cecilia Carranza die Goldmedaille im Segeln bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewann: Weltklasse-Segler und mehrfacher Olympionike Santiago Lange erzählt in dieser faszinierenden Biografie seine Erfolgsgeschichte, die beinahe ganz anders geendet hätte.

Zu jenem Zeitpunkt galt er nämlich keineswegs als Favorit für den Sieg. Er war 54 Jahre alt, es waren seine sechsten Olympischen Spiele und er kämpfte mit großen gesundheitlichen Problemen. Ein Jahr nach einer Krebsoperation, bei der ihm ein Lungenflügel entfernt werden musste, trotzte er allen Widerständen und bewies unvergleichlichen Kampfgeist.


Meine Meinung:

 Nach dem Lesen fiel mir als erstes das Wort Respekt ein. Was für ein spannendes, aufreibendes und sehr sportliches Leben. Aber auch Respekt für seine Ex-Frau, die so vieles mitgetragen hat, ihn den Rücken freigehalten und die vier Kinder großgezogen hat. 

Die Biografie ist faszinierend, auch wenn man kein Segler oder allgemein Sportler ist. Durch das gesamte Buch zieht sich die Willenskraft und das Durchhaltevermögen, aber auch der Egoismus, der wahrscheinlich notwendig ist, um so erfolgreich zu werden. Er beschreibt die Hürden, die Zweifel und den Willen zum Sieg, aber auch seine Niederlagen sowohl beruflich als auch privat. Man erhält einen kleinen Einblick hinter die Kulissen, wie die Vereine und Organisationen ticken, wieviel Macht Geld hat und was alles beachtet werden muss, um an einem wichtigen Wettkampf teilnehmen zu können. Auch die Weltumrundung 2008 fand ich sehr interessant. Die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio war hart erkämpft. Santiago Lange hatte nur ein Jahr vorher eine Krebserkrankung diagnostiziert bekommen und schaffte es durch eisernen Willen und einem starkem Team den Weg zurück an die Spitze. 

 Es ist eine beeindruckende Geschichte, die aufzeigt, was man erreichen kann, wenn man für etwas brennt und dies unbedingt erreichen möchte. Jedoch zeigt diese Biografie auch die Schattenseiten dieses Ehrgeizes. 

Foto: Buchstabenfestival

  4 von 5 Sternen

 

Sonntag, 2. Mai 2021

Wildes Paradies

"Wildes Paradies"
von
Claudia Praxmayer
 
 
Foto: Buchstabenfestival


erschienen am 26.03.2021
ISBN:9783431070255
224 Seiten
Lübbe Life Verlag


Inhalt:

Claudia Praxmayer und ihr Mann kaufen einen alten Hof im Chiemgau, um auf dem riesigen Grundstück Lebensräume zu schaffen, in denen bedrohte Arten Zuflucht finden. Die Biologin legt Totholzhecken und Terrassenbeete an, lässt Wildblumenwiesen wachsen und Tümpel volllaufen - und überall sprießt das Leben! Igel, Vögel und Fledermäuse ziehen ein, Wildbienen und andere Insekten finden reichlich Nahrung, sogar die friedliche Koexistenz im Gemüsebeet ist (mit kleinen Kompromissen) möglich. Dieses Buch zeigt, wie Mensch und Natur miteinander das größte Gartenglück erreichen. 
 
Meine Meinung:
 

 Ein schönes Buch über das Wachsenlassen und ein gutes Miteinander mit der Pflanzen- und Tierwelt.

Claudia Praxmayer erzählt in einem wunderbaren Plauderton von ihren Erfahrungen einen wilden und tierreichen Garten anzulegen und zu pflegen. Die Beschreibungen werden mit vielen ansprechenden Bildern untermauert. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Anekdoten von ihren Anfängen, was gut lief, was sie lieber nicht getan hätte und welche Missgeschicke ihr passiert sind. Bei so mancher Beschreibung konnte ich nur zustimmend nicken und schmunzeln, da ich mir diese Fehler auch geleistet habe. Die Autorin schreibt jedoch nicht nur von ihren Beeten, sondern auch wie man einen Teich anlegt und pflegt und was Obstwiesen schätzen und wie wichtig diese sind. Sie beschreibt, wie man sogar auf einem Balkon ein kleines Mini-Gewässer anlegen kann. Für Insekten reicht bereits eine flache Schale mit einem Stein und 2-3 Stöckchen (als Rettungsanker) drin, vollkommen aus. Sie kann vieles umsetzen, was in meinem kleinen Garten nicht funktionieren würde z.B. Terra Preta, aber andere Tipps und Tricks habe ich mir markiert, um sie selber in diesem Gartenjahr auszuprobieren.

Wer einen ordentlichen und aufgeräumten Garten möchte, sollte das Buch nicht lesen. Denn hier geht es darum, mit der Natur einen Weg zu finden, der sowohl dem Menschen nützt und gefällt, als auch den Tieren (Insekten, Kriechtieren und kleinen Säugetieren) und der Pflanzenvielfalt den Lebensraum erhält. Ein Kapitel in ihrem Buch heißt "Mut zum Chaos" und den braucht es auch manchmal, aber man wird mit einer wunderbaren Vielfalt belohnt, die man nur noch selten in den Gärten vorfindet.

 
Foto: Buchstabenfestival
 
 
5 von 5 Sternen