Samstag, 23. Oktober 2021

Eine ganz dumme Idee

"Eine ganz dumme Idee"
von
Fredrik Backman

 

Bild: Penguinrandomhouse

Inhalt:

Eine Kleinstadt in Schweden, kurz vor dem Jahreswechsel: An einem grauen Tag findet sich eine Gruppe von Fremden zu einer Wohnungsbesichtigung zusammen. Sie alle stehen an einem Wendepunkt, sie alle wollen einen Neuanfang wagen. Doch dieser Neuanfang verläuft turbulenter als gedacht. Denn wegen der ziemlich dummen Idee eines stümperhaften Bankräubers werden auf einmal alle Beteiligten zu Geiseln. Auch wenn davon niemand überraschter ist als der Geiselnehmer selbst. Es folgt ein Tag voller verrückter Wendungen und ungeahnter Ereignisse, der die Pläne aller auf den Kopf stellt – und ihnen zeigt, was wirklich wichtig im Leben ist.

 Meine Meinung:

 Ich mag skurrile Geschichten mit einer guten Portion Humor und herrlich verschrobenen und nicht alltäglichen Charakteren. Bei diesem Buch hatte ich jedoch meine Probleme in die Geschichte einzutauchen und mich mit den Charakteren anzufreunden. Es gelang mir leider bei einzelnen Charakteren überhaupt nicht, andere waren mir zu abgedreht und zu gewollt. Ich hatte auch stets das Gefühl nur ein Zuschauer am Rand zu sein. 

Es hat mich auch nicht so richtig zum Lachen gebracht. Leider traf der Autor nicht meinen Humor. Aber es gab auch einige gute und nachdenkliche Passagen, die mich angesprochen hatten und auch einfangen konnten. Es war sehr durchwachsen und mein Lesefluss war eher holprig als fließend, da der Wechsel von zu gestellt, zu überdreht auf nachdenklich und nachvollziehbar manchmal zu abrupt war.

Insgesamt konnte mich die Geschichte leider nicht so richtig überzeugen.

 3 von 5 Sternen

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Der Zustand der Welt

"Der Zustand der Welt"
von
Kurt de Swaaf
 
Der Zustand der Welt von Kurt de Swaaf
Foto: Buchstabenfestival

 

erschienen am 23.09.2021
ISBN:9783990550243
208 Seiten
Terra Maters Books

Inhalt:

Die Uhr zeigt 5 vor 12: Können wir Umweltzerstörung und Artensterben noch stoppen?

Wie steht es um das Leben von Pflanzen und Tieren auf unserem Planeten? Und welche Rolle spielt dabei der Klimawandel? Der erste Report des Weltbiodiversitätsrats IPBES, einer Teilorganisation der Vereinten Nationen, gibt Antworten. 500 Wissenschaftler dokumentieren den Status quo der Ökosysteme, ihrer Lebewesen und deren Umweltbedingungen auf Basis von 15.000 Studien. Die alarmierende Bilanz: Viele Arten sind bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht.

Zum ersten Mal seit der Entstehung der Erde wird das Geschehen von einer einzigen Spezies geprägt: dem Homo sapiens. Er beeinflusst Biologie, Geologie und Atmosphäre in einem bislang ungekannten Ausmaß und ist verantwortlich für die globale Erwärmung. Willkommen im Anthropozän. Der Biologe und Wissenschaftsjournalist Kurt de Swaaf erläutert allgemeinverständlich, was die Ergebnisse des Global Assessment Reports für uns bedeuten.

Biodiversität, Naturschutz und Artenschutz: Wo müssen wir aktiv werden und welche Maßnahmen sind sinnvoll? Kurt de Swaaf zeigt anhand konkreter Beispiele, wie es funktionieren kann – wenn der Mensch nur will.

Meine Meinung:

 In die Hand nehmen, aufklappen und lesen. Und danach, wenn möglich einfach mal loslegen.

"Es ist irrsinnig, Kinder in die Welt zu setzen und gleichzeitig deren Zukunft zu zertsören - sei es aus materieller Gier oder dumpfer Bequemlichkeit." (S.201)

Kurt de Swaaf zeigt den Zustand der Welt, der momentan (bzw. zum Zeitpunkt seines Schreibens) besteht. Und es sieht nicht gut. Wir haben es geschafft unsere Erde nah an einen Kollaps zu führen und stehen nun sehr nah am Abgrund. Doch können wir noch etwas für die nächsten Generationen retten? Lässt sich die rasante negative Entwicklung noch stoppen? Kann der Einzelne überhaupt etwas bewegen? Schon mal vorab, ja jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen.

Das Buch gibt einen Gesamtüberblick. Der Autor benennt die Treiber, die sogenannten apokalyptischen Reiter der Umweltzerstörung  und zeigt auf, wo wir zur Zeit stehen. Was gibt es noch? Was ist schon ausgestorben, verschwunden und zerstört? Welche Maßnahmen werden von der Politik weltweit beschlossen?

Er erklärt an einzelnen Beispielen, dass häufig die Probleme nur verschoben und nicht gelöst werden. Die Ansätze werden nicht zu Ende gedacht und so entstehen neue Problemfelder z.B. Sojazukauf für Kühe. Er versucht Möglichkeiten aufzuzeigen, was die Regierungen in Angriff nehmen müssten und jeder Einzelne mal ausprobieren kann.

Kurt de Swaaf hat ein interessantes und vorallem gut zu lesendes Sachbuch geschrieben. Es ist nicht allumfassend, aber es beleuchtet gut die Problematik.

Foto: Buchstabenfestival

4 von 5 Sternen


Sonntag, 17. Oktober 2021

Ausweglos

"Ausweglos"
von
Henri Faber
 
Foto: Buchstabenfestival

 
erschienen am 23.07.2021
ISBN:9783423219778
496 Seiten
dtv Verlagsgesellschaft


Inhalt:

Vor Jahren hielt eine Mordserie Hamburg in Atem. Jetzt gibt es erneut eine Tote: Wieder fehlt der Ringfinger, wieder trägt die Tat die blutige Handschrift des Killers. Doch diesmal gibt es einen Zeugen, er wohnt Tür an Tür mit dem Opfer. Kommissar Blom ist fest entschlossen, den Mörder endlich zu fassen. Aber je tiefer er sich in den Fall verstrickt, desto mehr verschwimmen die Grenzen. Was ist Wahrheit, was Lüge? Wer ist Freund und wer Feind? Und vor allem: Wer ist Opfer und wer Täter?

 

Meine Meinung:

 Die Frage, wer ist Opfer und wer der Täter wird lange nicht geklärt. Ständig schwankt man zwischen den verschiedenen Personen und am Ende ist man doch überrascht und zugegebenermaßen auch etwas enttäuscht. 

Die Geschichte ist gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Sie wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass man immer wieder einen neuen Blickwinkel erhält und dadurch auch (gewollt) aus seinem eigenen Ermittlerkonzept gebracht wird.

Die Charaktere sind so genau beschrieben wurden, dass man sich schnell ein Bild im Kopf erstellen konnte. Ihre Handlungen waren jedoch manchmal leider nicht so richtig nachvollziehbar. Auch waren mir nicht alle Charaktere sympathisch, aber sie sorgten für die Spannung und die Unberechenbarkeit in der Handlung.

Die internen Querelen bei der Polizei bzw. zwischen den einzelnen Ermittlern hätte man etwas stärker und besser ausarbeiten und dafür andere sehr detaillierte Beschreibungen etwas kürzen können. Generell empfand ich den Krimi zu lang für seine Geschichte. Zwischendurch gab es bei mir kleine Ermüdungserscheinungen, da sich der Inhalt teilweise (aufgrund des Perspektivenwechsels) wiederholte.

 Insgesamt war es ein solider Krimi, der sehr spannende Momente aufgrund kleiner Wendungen, aber auch eine interessante Grundgeschichte hatte. Für ein verregnetes Wochenende auf der Couch ist es eine gute Lektüre.


Foto: Buchstabenfestival

 

3 von 5 Sternen

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau

"Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau"
von
Karma Brown
 

Bild: Bloggerportal.de

erschienen am 13.09.2021
ISBN: 9783328106616
416 Seiten
Penguin Verlag

Inhalt:

Alice, frisch verheiratet, zieht mit ihrem Mann in einen schicken Vorort im Norden New Yorks. Doch die viel zu große, adrette Villa ist ihr von Anfang an unbehaglich. Als sie im Keller ein mit persönlichen Kommentaren gespicktes Kochbuch aus den 1950er-Jahren auffindet, beginnt sie sich für Nellie, die Vorbesitzerin des Hauses, zu interessieren. Alice kocht sich - zunächst nur aus Langeweile- in die Vergangenheit zurück. Bis sie anhand von Briefen entdeckt, dass Nellies Leben (und ihre Rezepte) ein düsteres Geheimnis bergen. Mit fatalen Folgen für Alice und ihren Mann. 

 Meine Meinung:

Ich gebe zu, dass mich der Titel angezogen hatte. Nachdem ich die kurze Inhaltsangabe gelesen hatte, fühlte ich mich an die Geschichte von Julie & Julia erinnert. Aber je weiter die Geschichte fortschritt, desto weniger hatte diese Geschichte mit Julie & Julia zu tun.

Da es Leser:innen gibt, die bei bestimmten Themen getriggert werden, will ich gleich am Anfang erwähnen, dass es hier auch um häusliche Gewalt und Fehlgeburten geht.

Erzählt wird im Wechsel von Alice, einer jungen New Yorkerin, die mit ihrem Mann in einen Vorort von New York zieht. Sie hat Zeit, zu viel Zeit, wenig Antrieb, um endlich ihr Buch zu schreiben und sie fühlt sich nicht wohl in ihrer Rolle als unfreiwillige Hausfrau. Ihr Mann will ein Kind, sie einen beruflichen Neustart. Die zweite Frau in dieser Geschichte ist Nellie. Sie versucht sich als perfekte Hausfrau, so wie man sich das in den 1950er Jahren vorstellt. Dinnerparties, selbstgebackener Kuchen am Nachmittag beim Frauentreff, ordentliches und sauberes Haus und das Abendessen auf dem Tisch, wenn der Mann heimkommt. 

Was nach Idylle klingt, wird ein Alptraum für beide Frauen und jede versucht auf ihre Weise das Problem zu lösen. Die Autorin hat sowohl die traurigen, heftigen und ungerechten als auch die schönen Momente der Frauen festgehalten. Bei manchen Szenen wollte man dazwischen gehen, bei anderen konnte man herzlich lachen, da der Humor der Autorin so wunderbar ironisch und bitterböse ist. 

Über den Kapiteln stehen Zitate aus Ratgebern, die eine gute Ehefrau bzw. Hausfrau beachten sollte. Ich war teilweise entsetzt, welche grotesken Forderungen gestellt wurden, welche Ansichten existierten und wie erschreckend ernst die Autor:innen (ja, auch Frauen) diese Ratschläge erteilt haben. Nicht selten stieß man auf ein Zitat, was sich leider bis heute in den Köpfen verankert hat.

Das Buch liest sich schnell und flüssig, die Charaktere sind gut beschrieben und man kann sich sehr schnell in die jeweilige Zeit versetzen. Mit Alice hatte ich meine Probleme, da ich nicht immer ihre Handlungen nachvollziehen konnte. Auf mich wirkte sie für ihr Alter noch recht unreif. Das Ende ist nur teilweise gelungen bzw. ich hätte mich ein anderes Ende gewünscht, aber trotzdem habe ich das Buch gemocht und die Geschichte gern gelesen.

 4 von 5 Sternen